Reifenbremswege lesen: Bedingungen und Restgeschwindigkeit
Eine Meterzahl wird erst mit ihrem Versuch verständlich: Welche Reifenvariante bremste aus welcher Geschwindigkeit auf welchem Untergrund, und womit wurde sie verglichen? Die Legende hilft dir, genau diese Angaben aus dem Original zu übernehmen. Ein ADAC-Fall zeigt drei unterschiedliche Bremsvergleiche; eine getrennte eigene Modellrechnung erklärt, warum eine Distanzdifferenz keine gemessene Restgeschwindigkeit ist. Fehlende Versuchsdaten bleiben als Rückfrage sichtbar. Die Zahlen sind keine Zusage für den Anhalteweg deines Autos.
Illustrationsmotiv · keine Modell- oder Produktzuordnung
Bremsweg und Anhalteweg zuerst auseinanderhalten
Continental beschreibt den Bremsweg ab Betätigung der Bremse bis zum Stillstand. Vorher liegt der Reaktionsweg vom Wahrnehmen einer Gefahr bis zum Bremsbeginn; beide ergeben zusammen den Anhalteweg. Ein Testfeld „80–0 km/h“ bezeichnet daher nicht automatisch die Strecke vom ersten Erkennen einer Gefahr an. Übernimm zuerst die Messgröße und ihre Anfangs- und Endpunkte. Ein Urteil wie „gut“ enthält dagegen mehrere Fahreigenschaften und ersetzt die einzelne Bremsmessung nicht. Hier geht es um das Lesen eines veröffentlichten Versuchs, nicht um eine Vollbremsprobe auf einer öffentlichen Straße.
Die Legende mit Originalangaben ausfüllen
Lege für jede betrachtete Messzeile ein eigenes Blatt an: Originalquelle mit Datum und Fundstelle, Modell und getestete Kennung, Anfangs-/Endgeschwindigkeit, Untergrund, Versuchstemperatur, Messverfahren und Vergleichszeile. Ergänze Einheit und ob die Zahl ein gemittelter Messwert, eine Rundung oder eine eigene Rechnung ist. Schreibe „nicht angegeben“, wenn ein benötigtes Feld im gelesenen Original fehlt. Die Tabelle ist unsere Leseschablone, ausgefüllt für einen begrenzten ADAC-Fall. Sie erfindet keine fehlende Temperatur, Beladung oder Druckeinstellung. Für einen anderen Test füllst du dieselben Fragen erneut mit dessen eigenen Angaben aus.
Weitere Spalten siehst du, wenn du die Tabelle seitlich verschiebst. Mit der Tastatur: Tabelle fokussieren und Pfeiltasten verwenden.
Eigene Leseschablone für den ADAC-Sommerreifentest 225/40 R18 von 2025. Die eingetragenen Daten sind quellenbezogen; offene Bedingungen bleiben offen. Keine Temperatur-, Druck- oder Stoppgarantie.
Anfang und Ende gehören zur jeweiligen Zeile; kein mitgemessener Reaktionsweg
Start-/Endgeschwindigkeit, Messgröße und Verfahren: ___
Untergrund und Vergleich
Nasser Asphalt 28,4/45,1 m; nasser Beton 34,2/55,2 m
Vergleichsmodell und derselbe Untergrund gemeinsam festhalten; Asphalt ist nicht Beton
Oberfläche/Feuchte, genaue Vergleichszeile: ___
Temperatur, Last und Druck
In den hier gelesenen Bremsfeldern nicht angegeben
Nicht mit 7 °C, einem Kundendruck oder einer anderen Methode auffüllen
Tatsächlich genannte Bedingungen oder offene Rückfrage: ___
Einheit und Wertart
Meter; Original nennt gemittelte Bremsmesswerte
Eine gerundete Zahl, eine Referenzquote und eine Restgeschwindigkeit sind andere Angaben
Einheit, Mittel-/Einzel-/Rundungswert und Referenz: ___
Eigene Rechnung
Konstante Verzögerung, gemeinsamer Bremsbeginn: rund 48,7 km/h im längeren Modellfall an der 28,4-m-Stelle
Kein gemessener ADAC-Restgeschwindigkeitswert; die Zusatzannahmen müssen dabeistehen
Modell, Annahmen, Formel, Ergebnis und Grenze: ___
Drei Bremsvergleiche desselben ADAC-Falls lesen
Der ADAC-Sommerreifentest vom 25.02.2025 untersucht 18 Modelle in 225/40 R18 auf einem VW Golf; eine genaue Golf-Generation wird hier nicht belegt. Die Einzelmodellseiten nennen für Continental SportContact 7 die getestete Kategorie 92Y und für Doublecoin DC100 92W. Auf nassem Asphalt, jeweils 80–0 km/h mit ABS, stehen 28,4 m gegenüber 45,1 m: 16,7 m Differenz. Auf nassem Beton bei denselben Geschwindigkeitsendpunkten stehen 34,2 m gegenüber 55,2 m: 21,0 m Differenz. Trocken, nun 100–0 km/h, ergeben 35,2 m und 39,5 m eine Differenz von 4,3 m. Die Originalfelder bezeichnen gemittelte Messwerte. Die drei Unterschiede sind nicht austauschbar; insbesondere wird die trockene Messung wegen ihres anderen Anfangstempos nicht unmittelbar zur Nassmessung. 35,2 m sind auch nicht der kürzeste trockene Wert unter allen 18 Reifen: Die veröffentlichten Einzelwerte reichen dort bis 34,8 m.
Eine Restgeschwindigkeit braucht einen eigenen Beleg oder ein klar genanntes Modell
16,7 m mehr Weg heißen nicht 16,7 km/h mehr Geschwindigkeit. Die gelesenen ADAC-Messfelder nennen keine gemessene Restgeschwindigkeit an der Stelle, an der der andere Reifen bereits steht. Eigene bedingte Rechnung: Beide Fahrzeuge beginnen am selben Ort aus 80 km/h zu bremsen; für jeden Fall wird über seine gesamte Bremsstrecke eine konstante Verzögerung angenommen. Im längeren 45,1-m-Fall ergibt sich an der 28,4-m-Stelle v = 80 × √(1 − 28,4 ÷ 45,1) ≈ 48,7 km/h. Die Quadratwurzel folgt in diesem Modell aus v² = v₀² − 2as mit konsistenten Einheiten; in der verwendeten Quotientenform können die Geschwindigkeiten in km/h bleiben. Das ist eine Erklärung mit zwei veröffentlichten mittleren Distanzen und eigenen zusätzlichen Annahmen, kein vom ADAC gemessener Geschwindigkeitsverlauf, keine Unfallrekonstruktion und keine Vorhersage eines bestimmten Zusammenstoßes. Eine reale Restgeschwindigkeitsgrafik muss ihren Ort, ihre gemeinsame Zeit-/Startbasis und ihr Messverfahren selbst belegen.
Fehlende Bedingungen nicht aus anderen Prüfungen übernehmen
In den hier gelesenen Feldern fehlen genaue Luft-/Fahrbahntemperaturen, Fahrzeugbeladung und Reifendruck des Bremsversuchs. Deshalb tragen wir dafür keine scheinbar passende Zahl ein. Der ADAC erläutert die ABS-Bremsungen auf trockenem Untergrund sowie nassem Asphalt und Beton, veröffentlicht daneben aber auch eigene Aquaplaning-Prüfungen. Eine dort genannte Wassertiefe gehört nicht automatisch zur Nassbremszeile. Ebenso liefern Continental-Wetterbeispiele keinen Umrechnungsfaktor, mit dem du aus 35,2 m trocken einen exakten Schnee-, Eis- oder Regenbremsweg dieses Reifens erhältst. Vergleiche unterschiedliche Testreihen erst, wenn die benötigten Bedingungen und der Bezug ihrer Messungen nachvollziehbar sind; lasse den Vergleich sonst in seinem Umfang offen.
Reaktionszeit nur als getrennte Annahme hinzurechnen
Ein weiteres eigenes Beispiel macht die Trennung sichtbar: Bei angenommenen konstanten 80 km/h und genau einer Sekunde bis zum Bremsbeginn entstehen 80 ÷ 3,6 × 1 ≈ 22,2 m Reaktionsweg. Addiert man im Modell die Asphalt-Bremsstrecken, entstehen rechnerisch rund 50,6 m beziehungsweise 67,3 m vom Wahrnehmen bis zum Stillstand. Die eine Sekunde wurde nicht in diesem ADAC-Test gemessen. Diese Summen sind keine Mindestabstände oder tatsächlichen Anhaltewege; andere Wahrnehmungs-/Reaktionsabläufe und wechselnde Bremsverzögerung verändern den Fall. Eine unbekannte Reaktionszeit wird auf deinem Blatt nicht mit einer angeblich normalen Sekunde ausgefüllt.
Testidentität und deinen tatsächlichen Einsatz getrennt prüfen
Die Dimension und 92Y/92W begrenzen hier den getesteten Fall. Sie belegen weder eine CAI-, GTIN- oder EPREL-Identität jedes heute angebotenen Reifens noch ungeprüft XL-, OE- oder Fahrzeugausführungen. Ein anderes Auto, anderer Reifenstand, anderer Untergrund oder eine andere Dimension erhält diese Meterzahlen nicht als Stoppgarantie. Auch ein passender Druck oder eine positive Testnote bestätigt keinen beschädigten Reifen. Nutze die Profil- und Zustandsseiten für die tatsächlichen Beobachtungen an deinem Satz und die passenden Fahrzeug-/Radunterlagen für seine Eignung. Ein Reifen-Finder kann bestätigte Angaben zum Einsatz ordnen; er misst keinen Bremsweg.
Das Ergebnis als begrenzten Vergleich festhalten
Dein fertiger Vermerk lautet beispielsweise: „ADAC 2025, Sommer 225/40 R18, SportContact 7 92Y gegenüber DC100 92W; nasser Asphalt, ABS 80–0, gemittelt 28,4/45,1 m; Differenz 16,7 m; genaue Temperatur, Last und Druck hier nicht angegeben.“ Ergänze eine eigene Restgeschwindigkeitsrechnung nur mit ihrer Modellannahme und ihrem getrennten Ergebnis. Halte die Originalfundstelle und offene Rückfragen dabei. Dann ist erkennbar, welche Aussage tatsächlich gemessen wurde, welche Bedingung unbekannt bleibt und welche Erklärung du selbst gerechnet hast. Für Labelklassen, die Gesamtbewertung eines Reifentests und Aquaplaning stehen eigene verlinkte Antworten bereit.
Schritt für Schritt
Quelle, Testjahr, getestete Kennung, Anfangs-/Endtempo und Untergrund gemeinsam dokumentieren.
Vergleichszeile, Wertart, Einheit und unbekannte Bedingungen ausdrücklich angeben.
Eigene Reaktions-/Restgeschwindigkeitsrechnungen mit ihren Zusatzannahmen vom Messwert trennen.
Datenstand dieser Einordnung: 9. Oktober 2026. Messbasis: ADAC-Sommerreifentest 2025 in 225/40 R18, veröffentlichte Einzelmodellwerte und Continental zur Begriffsabgrenzung; Abruf 9. Oktober 2026. Genaue Temperatur, Beladung und Druck bleiben in den ausgewerteten Bremsfeldern unbekannt. Leseschablone, Restgeschwindigkeit und Reaktionsweg sind eigene Erklärungen mit genannten Annahmen. Sie belegen keinen realen Geschwindigkeitsverlauf, keine Fahrzeugpassung und keinen garantierten Anhalteweg.