Agrarreifen: IF, VF, PFO und Zwillingslast richtig lesen
Die Tragfähigkeit eines Agrarreifens wird aus seiner konkreten Last-/Druck-/Geschwindigkeitszeile samt Einsatzbedingungen gelesen. Empfohlene Felge, schmale NRO-Option und Einzel-/Zwillingsfall sind dabei eigene Angaben; viermal der Einzelwert ist kein Zwillingsnachweis.
Illustrationsmotiv · keine Modell- oder Produktzuordnung
Technologiekürzel sind ein Einstieg in die richtige Tabelle
Das Michelin-Datenbuch 2022 erklärt IF als Bauweise mit 20 Prozent und VF mit 40 Prozent höherer Nennlast gegenüber Standardreifen bei gleichem Druck. PFO bezeichnet einen für Feldanwendung erweiterten Lastscope; CFO/CFO+ beziehen sich auf zyklische Feldoperationen. Daraus folgt keine pauschale Addition von Prozenten zu irgendeinem Tabellenwert. Entscheidend bleiben Artikel, Maschinenarbeit, Geschwindigkeit, Druck und die dafür ausgewiesene Tabellenzeile.
Die richtige Artikelzeile statt einen Lesekasten verwenden
Unser nachvollziehbarer Dokumentfall ist Michelin AXIOBIB 2 VF 540/65 R30 158D/155E TL, PFO, CAI 296638, Datenbuch 2022-09 Seite 34. Die Zeile nennt die empfohlene Felge W18L und als akzeptierte schmale Option W16L mit NRO. Sie weist R′ 635 mm und RC 4307 mm aus; der allgemeine Beispielkasten auf Seite 4 hat davon abweichende Werte. Die Hauptantwort verwendet die Artikelzeile und kennzeichnet diese als historischen Dokumentfall.
Für eine Maschinenfrage wählst du innerhalb dieser Artikelzeile zusätzlich das passende Maß: D steht im Datenbuch für den Gesamtdurchmesser, R′ für den statischen belasteten Radius und RC für den Abrollumfang, jeweils in Millimetern. Seite 34 nennt für den bereits beschriebenen CAI 296638 D 1460 mm, R′ 635 mm und RC 4307 mm. Der allgemeine Lesekasten auf Seite 4 zeigt bei derselben Beispielkennung dagegen R′ 641 mm und RC 4316 mm. Diese Beispielwerte werden nicht in die Artikelzeile übernommen oder mit ihr gemittelt.
Das eigene Nominalmodell aus der Kennung ergibt 30 × 25,4 + 2 × 540 × 0,65 = 1464 mm; es ersetzt den dokumentierten Gesamtdurchmesser 1460 mm nicht. Ebenso ergibt die reine Halbierung von D zwar 730 mm, aber nicht den statischen Lastradius 635 mm. Die Werte beschreiben unterschiedliche Maßbegriffe und Bezugszustände. Aus ihrer Differenz folgt hier keine gemessene Verformung bei einer bestimmten Last oder Druckeinstellung. RC wird aus der passenden Herstellerzeile übernommen; π × D ist kein Ersatz für diesen Abrollumfang.
Schreibe daher zuerst den Maßzweck auf: Geht es um den äußeren Platzbedarf, um die statische Rad-/Achshöhe oder um Abrollung und Übersetzung? R′ kann die Frage nach der Rad-/Achshöhe im zugehörigen Zustand unterstützen, bestätigt jedoch keine gesamte Maschinenbodenfreiheit. Für einen Übersetzungs- oder Vorlaufabgleich gehören die passende RC-Zuordnung, beide betroffenen Rad-/Achskonfigurationen und die Maschinenunterlagen zusammen. Notiere jeweils Artikel, Dokumentstand, Maß und Einheit sowie die noch fehlenden Last-, Druck-, Felgen- und Maschinenbedingungen. Die historische Zeile enthält hier keinen separat bestätigten Messdruck für diese Maßangaben und keine persönliche dynamische Abrollmessung. Die bereits erläuterten Last-/NRO-/Dual-Fußnoten bleiben daneben bestehen; eine Maßauswahl stellt keinen heutigen Arbeitsdruck oder Reifentausch frei.
Weitere Spalten siehst du, wenn du die Tabelle seitlich verschiebst. Mit der Tastatur: Tabelle fokussieren und Pfeiltasten verwenden.
Historischer Originalfall CAI 296638, Datenbuch 2022-09
Prüfpunkt
Gelesene Angabe
Konsequenz
Empfohlene Felge
W18L
Eigenständige Herstellerempfehlung
Akzeptierte Option
W16L (NRO)
Fußnoten, darunter NRO-Zuschlag, gemeinsam lesen
Maßzweck: Gesamtdurchmesser D
1460 mm in der Artikelzeile CAI 296638, Seite 34
Herstellermaß statt Nominalmodell 1464 mm; kein persönlicher Freigängigkeitsnachweis
Maßzweck: statischer belasteter Radius R′
635 mm in derselben Artikelzeile
Nicht D/2 = 730 mm; keine gesamte Maschinenbodenfreiheit
Maßzweck: Abrollumfang RC
4307 mm in derselben Artikelzeile
Passende Artikel-/Betriebs- und Maschinenbedingungen für einen Übersetzungsabgleich klären; kein π-D-Ersatz
65 km/h /1,6 bar, Einzel
3865 kg je Reifen
Nicht als Dualwert übernehmen
65 km/h /1,6 bar, Dual
3400 kg je Reifen
Vier Tabellenwerte ergeben 13600 kg
Hoher Drehmomentbedarf
30-km/h-Zeile laut Fußnote
Nicht allein nach momentaner Geschwindigkeit auswählen
Heute tatsächlich nutzen
Aktueller Artikel-/Last-/Arbeitsbeleg
Maschinen- und Radlimits zusätzlich prüfen
Eigene schematische Zustandssymbole, nicht maßstabsgetreu und nicht aus 1460/635/4307 skaliert. Werte aus der historischen Michelin-Artikelzeile CAI 296638, UK 2022-09, Seite 34. Eigene Nominalrechnung: 1464 mm. Eigene Halbierung des Hersteller-D: 1460 mm / 2 = 730 mm; beides kein Ersatz für R′ oder RC. Kein gemessener Zustandsvergleich, keine Bodenfreiheits-, Druck- oder Maschinenfreigabe.
Empfohlen, akzeptiert und NRO getrennt lesen
Die Fußnoten am Ende der AXIOBIB 2-Tabellen, Seite 39, verlangen bei Nutzung der NRO-Option einen Druckzuschlag von 0,2 bar. Weitere Bedingungen betreffen unter anderem Arbeit mit hohem Drehmoment, intensive Straßennutzung und große Hangneigung. Diese Fußnoten gehören zur Zeile; NRO ist keine allgemeine Freigabe für jede schmale Felge oder jedes Agrarprofil. Auch die Felge muss für Druck und Last der tatsächlichen Anwendung geeignet sein.
Der Dualzweig liefert einen anderen Wert
In der Originalzeile bei 1,6 bar und 65 km/h stehen 3865 kg je Reifen für den Einzelzweig und 3400 kg je Reifen in der ausdrücklich bezeichneten Dual-Zeile. Das reine Tabellenlesebeispiel ergibt für vier entsprechende Dual-Reifen 13600 kg, während viermal der Einzelwert 15460 kg wäre. Die zweite Rechnung ist deshalb kein Nachweis für den Zwillingsfall. Beide Summen sind Rechenwerte dieses historischen Tabellenfalls und keine Freigabe der Achse, Maschine oder heutigen Druckeinstellung.
Geschwindigkeit und Arbeit nicht aus dem Index allein ableiten
Die Originalfußnote nutzt für Pflügen und andere Feldarbeit mit hohem Drehmoment die 30-km/h-Zeile;10 km/h ist dort nur für Anwendung mit geringem Drehmoment genannt. Ein langsamer Fahrvorgang erlaubt daher nicht automatisch, die größte ausgewiesene Last aus dem 10-km/h-Zweig zu nehmen. Der Betrieb hält die tatsächliche Arbeit, Konfiguration und die jeweilige Fußnote zusammen fest. Eine isolierte Lastzahl ist daher kein Nachweis für eine heutige Zwillings- oder Maschinenlast.
Mit einer vollständigen Lastkarte entscheiden
Notiere die tatsächlichen Radlasten, Artikelcodes, Einzel-/Zwillingskonfiguration, Felgen, Druck, Geschwindigkeit und Arbeitsanteile. Der Reifenhersteller oder Fachbetrieb ordnet dazu die aktuelle Tabelle samt Fußnoten zu. Prüfe anschließend die eigenständigen Achs-, Rad- und Maschinenlimits. Die hier gezeigte historische Originalzeile erklärt die Lesemethode; für eine aktuelle Betriebseinstellung wird die aktuelle Anwendungszeile des tatsächlichen Artikels beschafft.
Schritt für Schritt
Vollständigen Artikel und Dokumentstand festhalten
Vor der Maschinenfrage Maßzweck D/R′/RC, Einheit, konkrete Artikelzeile und fehlende Betriebs-/Maschinenbedingungen festhalten.
Die konkrete Tabellenzeile und ihre Bedingungen zusammen lesen
Datenstand dieser Einordnung: 8. Oktober 2026. Die Originalfassungen und ihre Geltungsbereiche stehen beim jeweiligen Dokumentfall. Herstellerangaben sind Eigenangaben. Bezeichnete Rechen- und Lesebeispiele bestätigen keine andere Teilekombination oder Fahrzeug-/Maschinenfreigabe. Die ergänzte Maßauswahl verwendet die Definitionen auf Seite 4 und die konkrete Artikelzeile CAI 296638 auf Seite 34 des historischen Datenbuchs 2022-09; Seite 39 hält die Anwendungsbedingungen fest. Nominalmodell und D-Halbierung sind eigene begrenzte Rechnungen. Die Werte bestätigen keine aktuelle Bodenfreiheit, Vorlaufzuordnung, Druckeinstellung oder Maschinenfreigabe.